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Drittes Kapitel:
Wie sie Undinen wiederfanden
Dem Huldbrand ward es immer ängstlicher und verworrner zu Sinn, je lä nger er unter den
nächtlichen Schatten suchte, ohne zu finden. Der Gedanke, Undine sei nur eine bloße
Walderscheinung gewesen, bekam aufs neue Macht über ihn, ja er hät te unter dem Geheul der
Wellen und Stürme, dem Krachen der Bäume, der gänzlichen Umgest altung der kaum noch so still
anmutigen Gegend die ganze Landzunge samt der Hütte und ihren Bewohne rn fast für eine
trügrisch neckende Bildung gehalten; aber von fern hörte er doch i mmer noch des Fischers
ängstliches Rufen nach Undinen, der alten Hausfrau lautes Beten und S ingen durch das Gebraus.
Da kam er endlich dicht an des übergetretnen Baches Rand und sah im M ondenlicht, wie dieser
seinen ungezähmten Lauf grade vor den unheimlichen Wald hin genommen hatte, so daß er nun
die Erdspitze zur Insel machte. - O lieber Gott, dachte er bei sich selb st, wenn es Undine gewagt
hätte, ein paar Schritte in den fürchterlichen Forst hinein zu tun ; vielleicht eben in ihrem anmutigen
Eigensinn, weil ich ihr nichts davon erzählen sollte - und nun wär e der Strom dazwischen gerollt,
und sie weinte nun einsam drüben bei den Gespenstern! - Ein Schrei de s Entsetzens entfuhr ihm,
und er klomm einige Steine und umgestürzte Fichtenstämme hinab, um in den reißenden Strom zu
treten und, watend oder schwimmend, die Verirrte drüben zu suchen. Es fiel ihm zwar alles
Grausenvolle und Wunderliche ein, was ihm schon bei Tage unter den jetzt rauschenden und
heulenden Zweigen begegnet war. Vorzüglich kam es ihm vor, als stehe ein langer weißer Mann,
den er nur allzu gut kannte, grinzend und nickend am jenseitigen Ufer: a ber eben diese
ungeheuern Bilder rissen ihn gewaltig nach sich hin, weil er bedachte, d aß Undine in
Todesängsten unter ihnen sei, und allein.
Schon hatte er einen starken Fichtenast ergriffen und stand, auf diesen gestützt, in den
wirbelnden Fluten, gegen die er sich kaum aufrecht zu halten vermochte; aber er schritt getrosten
Mutes tiefer hinein. Da rief es neben ihm mit anmutiger Stimme: »Trau nicht, trau nicht! Er ist
tückisch, der Alte, der Strom!« - Er kannte diese lieblichen Laute , er stand wie betört unter den
Schatten, die sich eben dunkel über den Mond gelegt hatten, und ihn s chwindelte vor dem Gerolle
der Wogen, die er pfeilschnell an seinen Schenkeln hinschießen sah. D ennoch wollte er nicht
ablassen. - »Bist du nicht wirklich da, gaukelst du nur neblicht um m ich her, so mag auch ich nicht
leben und will ein Schatten werden wie du, du liebe, liebe Undine!« D ies rief er laut und schritt
wieder tiefer in den Strom. - »Sieh dich doch um, ei sieh dich doch u m, du schöner, betörter
Jüngling!« so rief es abermals dicht bei ihm, und seitwärts bli ckend sah er im eben sich wieder
enthüllenden Mondlicht, unter den Zweigen hochverschlungner Bäume, auf einer durch die
Überschwemmung gebildeten kleinen Insel Undinen lächelnd und liebl ich in die blühenden Gräser
hingeschmiegt.
O wieviel freudiger brauchte nun der junge Mann seinen Fichtenast zum St abe als vorhin! Mit
wenigen Schritten war er durch die Flut, die zwischen ihm und dem Mäg dlein hinstürmte, und
neben ihr stand er auf der kleinen Rasenstelle, heimlich und sicher von den uralten Bäumen
überrauscht und beschirmt. Undine hatte sich etwas emporgerichtet und schlang nun in dem
grünen Laubgezelte ihre Arme um seinen Nacken, so daß sie ihn auf ihren weichen Sitz neben
sich niederzog. - »Hier sollst du mir erzählen, hübscher Freund «, sagte sie leise flüsternd; »hier
hören uns die grämlichen Alten nicht. Und so viel als ihre ärml iche Hütte ist doch hier unser
Blätterdach wohl noch immer wert.« - »Es ist der Himmel!« sa gte Huldbrand und umschlang
inbrünstig küssend die schmeichelnde Schöne.
Da war unterdessen der alte Fischer an das Ufer des Stromes gekommen und rief zu den
beiden jungen Leuten herüber: »Ei, Herr Ritter, ich habe Euch aufg enommen, wie es ein
biederherziger Mann dem andern zu tun pflegt, und nun kost Ihr mit meine m Pflegekinde so
heimlich und laßt mich noch obenein in der Angst nach ihr durch die N acht umherlaufen.« - »Ich
habe sie selbst erst eben jetzt gefunden, alter Vater«, rief ihm der Ritter zurück. »Desto besser«,
sagte der Fischer, »aber nun bringt sie mir auch ohne Verzögern an das feste Land herüber.«
Davon aber wollte Undine wieder gar nichts hören. Sie meinte, eher wo lle sie mit dem schönen
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