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einer nicht viel stillern! - Dabei aber hab ich nicht gegen unsern liebe n Herrgott gemurret, vielmehr
ihm im stillen für das Neugeborne gedankt; ich müßte auch lü gen, wenn ich sagen wollte, mir wäre
auf dem Hin- oder Rückwege durch den Wald irgend etwas Bedenklicheres aufgestoßen als sonst,
wie ich denn nie etwas Unheimliches dorten gesehn habe. Der Herr war imm er mit mir in den
verwunderlichen Schatten.«
Da zog er sein Mützchen von dem kahlen Schädel und blieb eine Zeit lang in betenden
Gedanken sitzen. Dann bedeckte er sich wieder und sprach fort:
»Diesseits des Waldes, ach diesseits, da zog mir das Elend entgegen. Meine Frau kam
gegangen mit strömenden Augen wie zwei Bäche; sie hatte Trauerklei der angelegt. O lieber Gott
ächzte ich, wo ist unser liebes Kind? Sag an. - Bei dem, den du rufest, lieber Mann entgegnete
sie, und wir gingen nun stillweinend miteinander in die Hütte. Ich su chte nach der kleinen Leiche;
da erfuhr ich erst, wie alles gekommen war. Am Seeufer hatte meine Frau mit dem Kinde
gesessen, und wie sie so recht sorglos und selig mit ihm spielt, bück t sich die Kleine auf einmal
vor, als sähe sie etwas ganz Wunderschönes im Wasser; meine Frau s ieht sie noch lachen, den
lieben Engel, und mit den Händchen greifen; aber im Augenblick schieß t sie ihr durch die rasche
Bewegung aus den Armen und in den feuchten Spiegel hinunter. Ich habe vi el gesucht nach der
kleinen Toten; es war zu nichts; auch keine Spur von ihr war zu finden. -
Nun, wir verwaisten Eltern saßen denn noch selbigen Abends still beis ammen in der Hütte, zu
reden hatte keiner Lust von uns, wenn man es auch gekonnt hätte vor T ränen. Wir sahen so in das
Feuer des Herdes hinein. Da raschelt was draußen an der Tür; sie s pringt auf, und ein
wunderschönes Mägdlein von etwa drei, vier Jahren steht reich gepu tzt auf der Schwelle und
lächelt uns an. Wir blieben ganz stumm vor Erstaunen, und ich wußt e erst nicht, war es ein
ordentlicher, kleiner Mensch, war es bloß ein gaukelhaftes Bildnis. D a sah ich aber das Wasser
von den goldnen Haaren und den reichen Kleidern herabtröpfeln und mer kte nun wohl, das schöne
Kindlein habe im Wasser gelegen, und Hilfe tue ihm not. - Frau s agte ich, uns hat niemand unser
liebes Kind erretten können; wir wollen doch wenigstens an andern Leu ten tun, was uns selig auf
Erden machen würde, vermochte es jemand an uns zu tun. - Wir zoge n die Kleine aus, brachten
sie zu Bett und reichten ihr wärmende Getränke, wobei sie kein Wor t sprach und uns bloß aus den
beiden seeblauen Augenhimmeln immerfort lächelnd anstarrte.
Des andern Morgens ließ sich wohl abnehmen, daß sie keinen weitern Schaden genommen
hatte, und ich fragte nun nach ihren Eltern und wie sie hierhergekommen sei. Das aber gab eine
verworrne, wundersamliche Geschichte. Von weit her muß sie wohl gebü rtig sein, denn nicht nur,
daß ich diese funfzehn Jahre her nichts von ihrer Herkunft erforschen konnte, so sprach und
spricht sie auch bisweilen so absonderliche Dinge, daß unsereins nich t weiß, ob sie am Ende nicht
gar vom Monde heruntergekommen sein könnte. Da ist die Rede von goldn en Schlössern, von
kristallnen Dächern und Gott weiß, wovon noch mehr. Was sie am deu tlichsten erzählte, war, sie
sei mit ihrer Mutter auf dem großen See spazierengefahren, aus der Ba rke ins Wasser gefallen
und habe ihre Sinne erst hier unter den Bäumen wiedergefunden, wo ihr an dem lustigen Ufer
recht behaglich zumute geworden sei.
Nun hatten wir noch eine große Bedenklichkeit und Sorge auf dem Herze n. Daß wir an der
lieben Ertrunknen Stelle die Gefundne behalten und auferziehn wollten, w ar freilich sehr bald
ausgemacht; aber wer konnte nun wissen, ob das Kind getauft sei oder nic ht? Sie selber wußte
darüber keine Auskunft zu geben. Daß sie eine Kreatur sei, zu Gott es Preis und Freude
geschaffen, wisse sie wohl, antwortete sie uns mehrenteils, und was zu G ottes Preis und Freude
gereicht, seie sie auch bereit, mit sich vornehmen zu lassen. Meine Frau und ich dachten so: ist
sie nicht getauft, so gibts da nichts zu zögern; ist sie es aber doch, so kann bei guten Dingen
zuwenig eher schaden als zuviel. Und demzufolge sannen wir auf einen gut en Namen für das
Kind, das wir ohnehin noch nicht ordentlich zu rufen wußten. Wir mein ten endlich, Dorothea werde
sich am besten für sie schicken, weil ich einmal gehört hatte, das heiße Gottesgabe, und sie uns
doch von Gott als eine Gabe zugesandt war, als ein Trost in unserm Elend . Sie hingegen wollte
nichts davon hören und meinte, Undine sei sie von ihren Eltern genann t worden, Undine wolle sie
auch ferner heißen. Nun kam mir das wie ein heidnischer Name vor, der in keinem Kalender stehe,
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