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Undine

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Zweites Kapitel: Auf welche Weise Undine zu dem Fischer gekommen war Huldbrand und der Fischer sprangen von ihren Sitzen und wollten dem zü rnenden Mädchen nach. Ehe sie aber an die Hüttentür gelangten, war Undine schon la nge in dem wolkigen Dunkel draußen verschwunden, und auch kein Geräusch ihrer leichten Füß e verriet, wohin sie ihren Lauf wohl gerichtet haben könne. Huldbrand sah fragend nach seinem Wirte;  fast kam es ihm vor, als sei die ganze liebliche Erscheinung, die so schnell in die Nacht wieder  untergetaucht war, nichts andres gewesen als eine Fortsetzung der wunderlichen Gebilde, die frü her im Forste ihr loses Spiel mit ihm getrieben hatten, aber der alte Mann murmelte in seinen Ba rt: »Es ist nicht das erstemal, daß sie es uns also macht. Nun hat man die Angst auf dem He rzen und den Schlaf aus den Augen für die ganze Nacht; denn wer weiß, ob sie nicht dennoch  einmal Schaden nimmt, wenn sie so draußen im Dunkel allein ist bis an das Morgenrot.« -  »So laßt uns ihr doch nach, Vater, um Gott!« rief Huldbrand ängstlich aus. Der Alte erwiderte: »Wozu das? Es wär ein sündlich Werk, ließ ich Euch in Nacht und Einsamkeit dem törichten Mädch en so ganz alleine folgen, und meine alten Beine holen den Springinsfeld nicht ein, wenn man auch wü ßte, wohin sie gerannt ist.« - »Nun müssen wir ihr doch nachrufen mindestens und sie b itten, daß sie wiederkehrt« sagte Huldbrand und begann auf das beweglichste zu rufen: »Undine! Ach Undi ne! Komm doch zurück!« - Der Alte wiegte sein Haupt hin und her, sprechend, all das Geschrei he lfe am Ende zu nichts; der Ritter wisse noch nicht, wie trotzig die Kleine sei. Dabei aber konnte e r es doch nicht unterlassen, öfters mit in die finstre Nacht hinauszurufen: »Undine! Ach liebe  Undine! Ich bitte dich, komme doch nur dies eine Mal zurück.« Es ging indessen, wie es der Fischer gesagt hatte. Keine Undine ließ  sich hören oder sehn, und weil der Alte durchaus nicht zugeben wollte, daß Huldbrand der Entflo henen nachspürte, mußten sie endlich beide wieder in die Hütte gehen. Hier fanden sie das Feue r des Herdes beinahe erloschen, und die Hausfrau, die sich Undines Flucht und Gefahr bei weit em nicht so zu Herzen nahm als ihr Mann, war bereits zur Ruhe gegangen. Der Alte hauchte die K ohlen wieder an, legte trocknes Holz darauf und suchte bei der wieder auflodernden Flamme einen  Krug mit Wein hervor, den er zwischen sich und seinen Gast stellte. - »Euch ist auch angst  wegen des dummen Mädchens, Herr Ritter«, sagte er, »und wir wollen lieber einen  Teil der Nacht verplaudern und vertrinken, als uns auf den Schilfmatten vergebens nach dem Schlafe heru mwälzen. Nicht wahr?« Huldbrand war gerne damit zufrieden, der Fischer nötigte ihn auf den  ledigen Ehrenplatz der schlafengegangenen Hausfrau, und beide tranken und sprachen miteinander,  wie es zwei wackern und zutraulichen Männern geziemt. Freilich, sooft sich vor den Fenste rn das geringste regte oder auch bisweilen, wenn sich gar nichts regte, sah eines von beiden in die  Höhe, sprechend: »Sie kommt.« - Dann wurden sie ein paar Augenblicke stille und fuhren nach her, da nichts erschien, kopfschüttelnd und seufzend in ihren Reden fort. Weil aber nun beide an fast gar nichts andres zu denken vermochten als a n Undinen, so wußten sie auch nichts Bessres, als, der Ritter, zu hören, welcher gestalt Undine zu dem alten Fischer gekommen sei, der alte Fischer, ebendiese Geschichte zu erzäh len. Deshalben hub er folgendermaßen an: »Es sind nun wohl funfzehn Jahre vergangen, da zog ich einmal durch d en wüsten Wald mit meiner Ware nach der Stadt. Meine Frau war daheim geblieben wie gewöh nlich; und solches zu der Zeit auch noch um einer gar hübschen Ursache willen, denn Gott ha tte uns, in unserm damals schon ziemlich hohen Alter, ein wunderschönes Kindlein beschert. Es w ar ein Mägdlein, und die Rede ging bereits unter uns, ob wir nicht, dem neuen Ankömmlinge zu F rommen, unsre schöne Landzunge verlassen wollten, um die liebe Himmelsgabe künftig an bewo hnbaren Orten besser aufzuziehen. Es ist freilich bei armen Leuten nicht so damit, wie Ihr es  meinen mögt, Herr Ritter; aber, lieber Gott! jedermann muß doch einmal tun, was er vermag. - Nu n, mir ging unterwegs die Geschichte ziemlich im Kopfe herum. Diese Landzunge war mir so im Herzen  lieb, und ich fuhr ordentlich zusammen, wenn ich unter dem Lärm und Gezänke in der St adt bei mir selbsten denken mußte: in solcher Wirtschaft nimmst auch du nun mit nächstem deine n Wohnsitz oder doch in
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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