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Neunzehntes Kapitel:
Wie der Ritter Huldbrand begraben ward
Der Pater Heilmann war auf das Schloß gekommen, sobald des Herrn von Ringstetten Tod in
der Gegend kundgeworden war, und just zur selben Stunde erschien er, wo der Mönch, welcher
die unglücklichen Vermählten getraut hatte, von Schreck und Grause n überwältiget, aus den Toren
floh. - »Es ist schon recht«, entgegnete Heilmann, als man ihm die ses ansagte: »Und nun geht
mein Amt an, und ich brauche keines Gefährten.« - Darauf begann er die Braut, welche zur Witwe
worden war, zu trösten, sowenig Frucht es auch in ihrem weltlich lebh aften Gemüte trug. Der alte
Fischer hingegen fand sich, obzwar von Herzen betrübt, weit besser in das Geschick, welches
Tochter und Schwiegersohn betroffen hatte, und während Bertalda nicht ablassen konnte, Undinen
Mörderin zu schelten und Zauberin, sagte der alte Mann gelassen: » Es konnte nun einmal nichts
anders sein. Ich sehe nichts darin als die Gerichte Gottes, und es ist w ohl niemanden Huldbrands
Tod mehr zu Herzen gegangen als der, die ihn verhängen mußte, der armen, verlaßnen Undine!« -
Dabei half er die Begräbnisfeier anordnen, wie es dem Range des Toten geziemte. Dieser sollte in
einem Kirchdorfe begraben werden, auf dessen Gottesacker alle Gräber seiner Ahnherrn standen
und welches sie, wie er selbst, mit reichlichen Freiheiten und Gaben gee hrt hatten. Schild und
Helm lagen bereits auf dem Sarge, um mit in die Gruft versenkt zu werden , denn Herr Huldbrand
von Ringstetten war als der letzte seines Stammes verstorben; die Trauer leute begannen ihren
schmerzvollen Zug, Klagelieder in das heiter stille Himmelblau hinaufsin gend, Heilmann schritt mit
einem hohen Kruzifix voran, und die trostlose Bertalda folgte, auf ihren alten Vater gestützt. - Da
nahm man plötzlich inmitten der schwarzen Klagefrauen in der Wittib G efolge eine schneeweiße
Gestalt wahr, tiefverschleiert, und die ihre Hände inbrünstig jamm ernd emporwand. Die, neben
welchen sie ging, kam ein heimliches Grauen an, sie wichen zurück ode r seitwärts, durch ihre
Bewegung die andern, neben die nun die weiße Fremde zu gehen kam, noc h sorglicher
erschreckend, so daß schier darob eine Unordnung unter dem Trauergefo lge zu entstehen
begann. Es waren einige Kriegsleute so dreist, die Gestalt anreden und a us dem Zug fortweisen
zu wollen, aber denen war sie wie unter den Händen fort und ward denn och gleich wieder mit
langsam feierlichem Schritte unter dem Leichengefolge mitziehend gesehn. Zuletzt kam sie
während des beständigen Ausweichens der Dienerinnen bis dicht hint er Bertalda. Nun hielt sie
sich höchst langsam in ihrem Gange, so daß die Wittib ihrer nicht gewahr ward und sie sehr
demütig und sittig hinter dieser ungestört fortwandelte.
Das währte, bis man auf den Kirchhof kam und der Leichenzug einen Kre is um die offene
Grabstätte schloß. Da sah Bertalda die ungebetene Begleiterin, und halb in Zorn, halb in Schreck
auffahrend, gebot sie ihr, von der Ruhestätte des Ritters zu weichen. Die Verschleierte aber
schüttelte sanft verneinend ihr Haupt und hob die Hände wie zu ein er demütigen Bitte gegen
Bertalda auf, davon diese sich sehr bewegt fand und mit Tränen daran denken mußte, wie ihr
Undine auf der Donau das Korallenhalsband so freundlich hatte schenken w ollen. Zudem winkte
Pater Heilmann und gebot Stille, da man über dem Leichnam, dessen Hü gel sich eben zu häufen
begann, in stiller Andacht beten wolle. Bertalda schwieg und kniete, und alles kniete, und die
Totengräber auch, als sie fertig geschaufelt hatten. Da man sich aber wieder erhob, war die weiße
Fremde verschwunden; an der Stelle, wo sie gekniet hatte, quoll ein silb erhelles Brünnlein aus
dem Rasen, das rieselte und rieselte fort, bis es den Grabhügel des R itters fast ganz umzogen
hatte; dann rannte es fürder und ergoß sich in einen stillen Weihe r, der zur Seite des Gottesackers
lag. Noch in späten Zeiten sollen die Bewohner des Dorfes die Quelle gezeigt und fest die
Meinung gehegt haben, dies sei die arme, verstoßene Undine, die auf d iese Art noch immer mit
freundlichen Armen ihren Liebling umfasse.
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