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Undine

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Siebenzehntes Kapitel: Des Ritters Traum Es war zwischen Morgendämmrung und Nacht, da lag der Ritter halb wach end, halb schlafend auf seinem Lager. Wenn er vollends einschlummern wollte, war es, als stä nde ihm ein Schrecken entgegen und scheuchte ihn zurück, weil es Gespenster gäbe im Schl af. Dachte er aber sich alles Ernstes zu ermuntern, so wehte es um ihn her wie mit Schwanenfittichen u nd mit schmeichelndem Wogenklang, davon er allemal wieder in den zweifelhaften Zustand angeneh m betört zurücketaumelte. Endlich aber mochte er doch wohl ganz entschlafen se in, denn es kam ihm vor, als ergreife ihn das Schwanengesäusel auf ordentlichen Fittichen und  trage ihn weit fort über Land und See und singe immer aufs anmutigste dazu. - »Schwanenklang! Schwa nengesang!« mußte er immerfort zu sich selbst sagen; »das bedeutet ja wohl den Tod?« -  Aber es hatte vermutlich noch eine andre Bedeutung. Ihm ward nämlich auf einmal, als schwebe er ü ber dem Mittelländischen Meer. Ein Schwan sang ihm gar tönend in die Ohren, dies sei das Mitte lländische Meer. Und während er in die Fluten hinuntersah, wurden sie zu lauterm Kristalle , daß er hineinschauen konnte bis auf den Grund. Er freute sich sehr darüber, denn er konnte  Undinen sehen, wie sie unter den hellen Kristallgewölben saß. Freilich weinte sie sehr un d sahe viel betrübter aus als in den glücklichen Zeiten, die sie auf Burg Ringstetten miteinander verl ebt hatten, vorzüglich zu Anfang und auch nachher, kurz ehe sie die unselige Donaufahrt begannen.  Der Ritter mußte an alle das sehr ausführlich und innig denken, aber es schien nicht, als  werde Undine seiner gewahr. Indessen war Kühleborn zu ihr getreten und wollte sie über ihr Wei nen ausschelten. Da nahm sie sich zusammen und sah ihn vornehm und gebietend an, daß er fast davor  erschrak. »Wenn ich hier auch unter den Wassern wohne«, sagte sie, »so hab ich doch me ine Seele mit heruntergebracht. Und darum darf ich wohl weinen, wenn du auch gar nicht  erraten kannst, was solche Tränen sind. Auch die sind selig, wie alles selig ist dem, in  welchem treue Seele lebt.« - Er schüttelte ungläubig mit dem Kopfe und sagte nach einigem Besinnen : »Und doch, Nichte, seid Ihr unseren Elementar-Gesetzen unterworfen, und doch müßt Ihr ihn rich tend ums Leben bringen, dafern er sich wieder verehlicht und Euch untreu wird.« - »Er ist  noch bis diese Stunde ein Witwer«, sagte Undine, »und hat mich aus traurigem Herzen lieb.«  - »Zugleich ist er aber auch ein Bräutigam«, lachte Kühleborn höhnisch, »und laßt nur e rst ein paar Tage hingehn, dann ist die priesterliche Einsegnung erfolgt, und dann müßt Ihr doch zu des Zw eiweibrigen Tode hinauf.« - »Ich kann ja nicht«, lächelte Undine zurück. »Ich habe ja  den Brunnen versiegelt, für mich und meinesgleichen fest.« - »Aber wenn er von seiner Burg geht«, sa gte Kühleborn, »oder wenn er einmal den Brunnen wieder öffnen läßt! Denn er denkt gewiß b lutwenig an alle diese Dinge.« - »Eben deshalb«, sprach Undine und lächelte noch immer unter ihr en Tränen, »eben deshalb schwebt er jetzt eben im Geiste über dem Mittelmeer und träumt zur  Warnung dies unser Gespräch. Ich hab es wohlbedächtlich so eingerichtet.« - Da sah  Kühleborn ingrimmig zu dem Ritter hinauf, dräuete, stampfte mit den Füßen und schoß gle ich darauf pfeilschnell unter den Wellen fort. Es war, als schwelle er vor Bosheit zu einem Walfisch auf.  Die Schwäne begannen wieder zu tönen, zu fächeln, zu fliegen; dem Ritter war es, als sc hwebe er über Alpen und Ströme hin, schwebe endlich zur Burg Ringstetten herein und erwache auf seinem  Lager. Wirklich erwachte er auf seinem Lager, und eben trat sein Knappe herein  und berichtete ihm, der Pater Heilmann weile noch immer hier in der Gegend; er habe ihn gest ern zu Nacht im Forste getroffen, unter einer Hütte, die er sich von Baumästen zusammenge bogen habe und mit Moos und Reisig belegt. Auf die Frage, was er denn hier mache? denn einsegnen  wolle er ja doch nicht! sei die Antwort gewesen: »Es gibt noch andre Einsegnungen als die am  Traualtar, und bin ich nicht zur Hochzeit gekommen, so kann es ja doch zu einer andern Feier ge wesen sein. Man muß alles abwarten. Zudem ist ja Trauen und Trauern gar nicht so weit ausein ander, und wer sich nicht mutwillig verblendet, sieht es wohl ein.« Der Ritter machte sich allerhand wunderliche Gedanken über diese Wort e und über seinen Traum. Aber es hält sehr schwer, ein Ding zu hintertreiben, was sich  der Mensch einmal als gewiß in den Kopf gesetzt hat, und so blieb denn auch alles beim alten.
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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