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überhaupt lieben, dachte er freilich oftmals dabei: »Ich hab es ja nicht gewußt, daß sie ein
Meerfräulein war. Mein ist das Unheil, das jeden meiner Schritte durc h der tollen Verwandtschaft
Grillen bannt und stört, aber mein ist nicht die Schuld.« - Durch solche Gedanken fühlte er sich
einigermaßen gestärkt, aber dagegen ward er immer verdrießliche r, ja feindseliger wider Undinen
gestimmt. Er sah sie schon mit mürrischen Blicken an, und die arme Fr au verstand deren
Bedeutung wohl. Dadurch, und durch die beständige Anstrengung wider K ühleborns Listen
erschöpft, sank sie gegen Abend, von der sanftgleitenden Barke angene hm gewiegt, in einen
tiefen Schlaf.
Kaum aber, daß sie die Augen geschlossen hatte, so wähnte jederman n im Schiffe, nach der
Seite, wo er grade hinaussah, ein ganz abscheuliches Menschenhaupt zu er blicken, das sich aus
den Wellen emporhob, nicht wie das eines Schwimmenden, sondern ganz senk recht, wie auf den
Wasserspiegel grade eingepfählt, aber mitschwimmend, so wie die Barke schwamm. Jeder wollte
dem andern zeigen, was ihn erschreckte, und jeder fand zwar auf des ande rn Gesicht das gleiche
Entsetzen, Hand und Auge nach einer andern Richtung hinzeigend, als wo i hm selbst das halb
lachende, halb dräuende Scheusal vor Augen stand. Wie sie sich nun ab er einander darüber
verständigen wollten und alles rief: »Sieh dorthin, nein dorthin!« - da wurden jedwedem die
Greuelbilder aller sichtbar, und die ganze Flut um das Schiff her wimmel te von den entsetzlichsten
Gestalten. Von dem Geschrei, das sich darüber erhob, erwachte Undine. Vor ihren aufgehenden
Augenlichtern verschwand der mißgeschaffnen Gesichter tolle Schar. Ab er Huldbrand war empört
über so viele häßliche Gaukeleien. Er wäre in wilde Verwü nschungen ausgebrochen, nur daß
Undine mit den demütigsten Blicken, und ganz leise bittend, sagte: » Um Gott, mein Eheherr, wir
sind auf den Fluten; zürne jetzt nicht auf mich.« - Der Ritter sch wieg, setzte sich und versank in ein
tiefes Nachdenken. Undine sagte ihm ins Ohr: »Wär es nicht besser, mein Liebling, wir ließen die
törichte Reise und kehrten nach Burg Ringstetten in Frieden zurück ?« - Aber Huldbrand murmelte
feindselig: »Also ein Gefangner soll ich sein auf meiner eignen Burg? Und atmen nur können,
solange der Brunnen zu ist? So wollt ich, daß die tolle Verwandtschaf t« - Da drückte Undine
schmeichelnd ihre schöne Hand auf seine Lippen. Er schwieg auch und h ielt sich still, so
manches, was ihm Undine früher gesagt hatte, erwägend.
Indessen hatte Bertalda sich allerhand seltsam umschweifenden Gedanken ü berlassen. Sie
wußte vieles von Undinens Herkommen und doch nicht alles, und vorzü glich war ihr der furchtbare
Kühleborn ein schreckliches, aber noch immer ganz dunkles Rätsel g eblieben; so daß sie nicht
einmal seinen Namen je vernommen hatte. Über alle diese wunderlichen Dinge nachsinnend,
knüpfte sie, ohne sich dessen recht bewußt zu werden, ein goldnes Halsband los, welches ihr
Huldbrand auf einer der letzten Tagereisen von einem herumziehenden Hand elsmann gekauft
hatte, und ließ es dicht über der Oberfläche des Flusses spiele n, sich halb träumend an dem
lichten Schimmer ergötzend, den es in die abendhellen Gewässer war f. Da griff plötzlich eine
große Hand aus der Donau herauf, erfaßte das Halsband und fuhr dam it unter die Fluten. Bertalda
schrie laut auf, und ein höhnisches Gelächter schallte aus den Tie fen des Stromes drein. Nun hielt
sich des Ritters Zorn nicht länger. Aufspringend schalt er in die Gew ässer hinein, verwünschte
alle, die sich in seine Verwandtschaft und sein Leben drängen wollten , und forderte sie auf, Nix
oder Sirene, sich vor sein blankes Schwert zu stellen. Bertalda weinte i ndes um den verlornen, ihr
so innig lieben Schmuck und goß mit ihren Tränen Öl in des Ritt ers Zorn, während Undine ihre
Hand über den Schiffesbord in die Wellen getaucht hielt, in einem for t sacht vor sich hinmurmelnd
und nur manchmal ihr seltsam heimliches Geflüster unterbrechend, inde m sie bittend zu ihrem
Ehherrn sprach: »Mein Herzlichlieber, hier schilt mich nicht. Schilt alles, was du willst, aber hier
mich nicht. Du weißt ja!« - Und wirklich enthielt sich seine vor Z orn stammelnde Zunge noch jedes
Wortes unmittelbar wider sie. Da brachte sie mit der feuchten Hand, die sie unter den Wogen
gehalten hatte, ein wunderschönes Korallenhalsband hervor, so herrlic h blitzend, daß allen davon
die Augen fast geblendet wurden. »Nimm hin«, sagte sie, es Bertald en freundlich hinhaltend; »das
hab ich dir zum Ersatz bringen lassen, und sei nicht weiter betrübt, du armes Kind.« - Aber der
Ritter sprang dazwischen. Er riß den schönen Schmuck Undinen aus d er Hand, schleuderte ihn
wieder in den Fluß und schrie wutentbrannt: »So hast du denn immer Verbindung mit ihnen? Bleib
bei ihnen in aller Hexen Namen mit all deinen Geschenken und laß uns Menschen zufrieden,
Gauklerin du!« - Starren, aber tränenströmenden Blickes sah ihn die arme Undine an, noch immer
die Hand ausgestreckt, mit welcher sie Bertalden ihr hübsches Geschen k so freundlich hatte
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