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befreundeten Burg so anmutige Arme nach ihr ausstrecke. Sie folgte fast ohne Widerspruch, aber
so ermattet, daß der Ritter froh war, sie bis zu seinem Rosse geleite t zu haben, welches er nun
eilig losknüpfte, um die schöne Wandrerin hinaufzuheben und es als dann am Zügel sich durch die
ungewissen Schatten der Talgegend vorsichtig nachzuleiten.
Aber das Pferd war ganz verwildert durch Kühleborns tolle Erscheinung . Selbst der Ritter würde
Mühe gebraucht haben, auf des bäumenden, wildschnaubenden Tieres R ücken zu springen; die
zitternde Bertalda hinaufzuheben, war eine volle Unmöglichkeit. Man b eschloß also, zu Fuße
heimzukehren. Das Roß am Zügel nachzerrend, unterstützte der Ri tter mit der andern Hand das
schwankende Mägdlein. Bertalda machte sich so stark als möglich, u m den furchtbaren Talgrund
schnell zu durchwandern, aber wie Blei zog die Müdigkeit sie herab, u nd zugleich bebten ihr alle
Glieder zusammen, teils noch von mancher überstandnen Angst, womit Kü hleborn sie
vorwärtsgehetzt hatte, teils auch in der fortdauernden Bangigkeit vor dem Geheul des Sturmes und
Donners durch die Waldung des Gebirgs.
Endlich entglitt sie dem stützenden Arm ihres Führers, und auf das Moos hingesunken, sagte
sie: »Laßt mich nur hier liegen, edler Herr. Ich büße meiner Torheit Schuld und muß nun doch auf
alle Weise hier verkommen vor Mattigkeit und Angst.« - »Nimmermehr, holde Freundin, verlaß ich
Euch!« rief Huldbrand, vergeblich bemüht, den brausenden Hengst an seiner Hand zu bändigen,
der ärger als vorhin zu tosen und zu schäumen begann; der Ritter w ar endlich nur froh, daß er ihn
von der hingesunknen Jungfrau fern genug hielt, um sie nicht durch die F urcht vor ihm noch mehr
zu erschrecken. Wie er sich aber mit dem tollen Pferde nur kaum einige S chritte entfernte, begann
sie auch gleich, ihm auf das allerjämmerlichste nachzurufen, des Glau bens, er wolle sie wirklich
hier in der entsetzlichen Wildnis verlassen. Er wußte gar nicht mehr, was er beginnen sollte. Gern
hätte er dem wütenden Tiere volle Freiheit gegeben, durch die Nach t hinzustürmen und seine
Raserei auszutoben, hätte er nur nicht fürchten müssen, es wü rde in diesem engen Paß mit
seinen beerzten Hufen eben über die Stelle hindonnern, wo Bertalda la g.
Während dieser großen Not und Verlegenheit war es ihm unendlich tr ostreich, daß er einen
Wagen langsam den steinigen Weg hinter sich herabfahren hörte. Er rie f um Beistand; eine
männliche Stimme antwortete, verwies ihn zur Geduld, aber versprach z u helfen, und bald darauf
leuchteten schon zwei Schimmel durch das Gebüsch, der weiße Kär rnerkittel ihres Führers
nebenher, worauf sich denn auch die große weiße Leinewand sehen li eß, mit welcher die Waren,
die er bei sich führen mochte, überdeckt waren. Auf ein lautes Brr ! aus dem Munde ihres Herrn
standen die gehorsamen Schimmel. Er kam gegen den Ritter heran und half ihm das schäumende
Tier bändigen. - »Ich merke wohl«, sagte er dabei, »was der Bestie fehlt. Als ich zuerst durch
diese Gegend zog, ging es meinen Pferden nicht besser. Das macht, hier w ohnt ein böser
Wassernix, der an solchen Neckereien Lust hat. Aber ich hab ein Sprüc hlein gelernt; wenn Ihr mir
vergönnen wolltet, dem Rosse das ins Ohr zu sagen, so sollt es gleich so ruhig stehn wie meine
Schimmel da.« - »Versucht Eur Heil und helft nur bald!« schrie der ungeduldige Ritter. Da bog der
Fuhrmann den Kopf des räumenden Pferdes zu sich herunter und sagte ih m einige Worte ins Ohr.
Augenblicklich stand der Hengst gezähmt und friedlich still, und nur sein erhitztes Keuchen und
Dampfen zeugte noch von der vorherigen Unbändigkeit. Es war nicht vie l Zeit für Huldbranden,
lange zu fragen, wie dies zugegangen sei. Er ward mit dem Kärrner ein ig, daß er Bertalden auf
den Wagen nehmen solle, wo, seiner Aussage nach, die weichste Baumwolle in Ballen lag, und so
möge er sie bis nach Burg Ringstetten führen; der Ritter wolle den Zug zu Pferde begleiten. Aber
das Roß schien von seinem vorigen Toben zu erschöpft, um noch sein en Herrn so weit zu tragen,
weshalb diesem der Kärrner zuredete, mit Bertalden in den Wagen zu st eigen. Das Pferd könne
man ja hinten anbinden. - »Es geht bergunter«, sagte er, »und d a wirds meinen Schimmeln
leicht.« - Der Ritter nahm dies Erbieten an, er bestieg mit Bertalden den Wagen, der Hengst folgte
geduldig nach, und rüstig und achtsam schritt der Fuhrmann beiher.
In der Stille der tiefer dunkelnden Nacht, aus der das Gewitter immer fe rner und schweigsamer
abdonnerte, in dem behaglichen Gefühl der Sicherheit und des bequemen Fortkommens entspann
sich zwischen Huldbrand und Bertalda ein trauliches Gespräch. Mit sch meichelnden Worten schalt
er sie um ihr trotziges Flüchten; mit Demut und Rührung entschuldi gte sie sich, und aus allem, was
sie sprach, leuchtete es hervor, gleich einer Lampe, die dem Geliebten z wischen Nacht und
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