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Huldbrand fühlte tief im Herzen die Großmut seiner holden Frau, wi e sie ihren furchtbaren
Beschützer so emsig aussperrte und noch dazu von Bertalden darüber gescholten worden war. Er
drückte sie daher aufs liebreichste in seine Arme und sagte gerühr t: »Der Stein bleibt liegen, und
alles bleibt und soll immer bleiben, wie du es haben willst, mein holdes Undinchen.« - Sie
schmeichelte ihm demütig froh über die lang entbehrten Worte der L iebe und sagte endlich: »Mein
allerliebstes Freund, da du heute so überaus mild und gütig bist, dürft ich es wohl wagen, dir eine
Bitte vorzutragen? Sieh nur, es ist mit dir, wie mit dem Sommer. Eben in seiner besten Herrlichkeit
setzt sich der flammende und donnernde Kronen von schönen Gewittern a uf, darin er als ein
rechter König und Erdengott anzusehen ist. So schiltst auch du biswei len und wetterleuchtest mit
Zung und Augen, und das steht dir sehr gut, wenn ich auch bisweilen in m einer Torheit darüber zu
weinen anfange. Aber tu das nie gegen mich auf einem Wasser oder wo wir auch nur einem
Gewässer nahe sind. Siehe, dann bekämen die Verwandten ein Recht ü ber mich. Unerbittlich
würden sie mich von dir reißen in ihrem Grimm, weil sie meinten, d aß eine ihres Geschlechtes
beleidigt sei, und ich müßte lebenslang drunten in den Kristallpal ästen wohnen und dürfte nie
wieder zu dir herauf, oder sendeten sie mich zu dir herauf, o Gott, dann wär es noch unendlich
schlimmer. Nein, nein, du süßer Freund, dahin laß es nicht komm en, so lieb dir die arme Undine
ist.«
Er verhieß feierlich, zu tun, wie sie begehre, und die beiden Eheleut e traten unendlich froh und
liebevoll wieder aus dem Gemach. Da kam Bertalda mit einigen Werkleuten, die sie unterdes
schon hatte bescheiden lassen, und sagte mit einer mürrischen Art, di e sie sich zeither
angenommen hatte: »Nun ist doch wohl das geheime Gespräch zu Ende, und der Stein kann
herab. Geht nur hin, ihr Leute, und richtets aus.« - Der Ritter a ber, ihre Unart empört fühlend,
sagte in kurzen und sehr ernstlichen Worten: »Der Stein bleibt liegen .« Auch verwies er Bertalden
ihre Heftigkeit gegen seine Frau, worauf die Werkleute mit heimlich verg nügtem Lächeln
fortgingen, Bertalda aber von der andern Seite erbleichend nach ihren Zi mmern eilte.
Die Stunde des Abendessens kam heran, und Bertalda ließ sich vergebli ch erwarten. Man
schickte nach ihr; da fand der Kämmerling ihre Gemächer leer und b rachte nur ein versiegeltes
Blatt, an den Ritter überschrieben, mit zurück. Dieser öffnete es bestürzt und las:
»Ich fühle mit Beschämung, wie ich nur eine arme Fischersdirne bin. Daß ich es auf
Augenblicke vergaß, will ich in der ärmlichen Hütte meiner Elte rn büßen. Lebt wohl mit Eurer
schönen Frau!«
Undine war von Herzen betrübt. Sie bat Huldbranden inbrünstig, der entflohenen Freundin
nachzueilen und sie wieder mit zurückzubringen. Ach, sie hatte nicht nötig zu treiben! Seine
Neigung für Bertalden brach wieder heftig hervor. Er eilte im ganzen Schloß umher, fragend, ob
niemand gesehn habe, welches Weges die schöne Flüchtige gegangen s ei. Er konnte nichts
erfahren und saß schon im Burghofe zu Pferde, entschlossen, aufs Gera tewohl dem Wege
nachzureiten, den er Bertalden hierher geführt hatte. Da kam ein Schi ldbub und versicherte, er sei
dem Fräulein auf dem Pfade nach dem Schwarztale begegnet. Wie ein Pfe il sprengte der Ritter
durch das Tor, der angewiesenen Richtung nach, ohne Undines ängstlich e Stimme zu hören, die
ihm aus dem Fenster nachrief: »Nach dem Schwarztal? O dahin nicht! Hu ldbrand, dahin nicht!
Oder um Gottes willen, nimm mich mit!« - Als sie aber all ihr Rufen v ergeblich sah, ließ sie eilig
ihren weißen Zelter satteln und trabte dem Ritter nach, ohne irgendei nes Dieners Begleitung
annehmen zu wollen.
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