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Undine

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werde nimmermehr zugeben, daß man ihn verschließe. Undine aber bli eb diesmal, obgleich auf gewohnte Weise sanft, dennoch auf ungewohnte Weise bei ihrer Meinung fes t; sie sagte, als Hausfrau gebühre ihr, alle Anordnungen der Wirtschaft nach bester Ü berzeugung einzurichten, und niemand habe sie darüber Rechenschaft abzulegen als ihrem Ehgemah l und Herrn. - »Seht, o seht doch«, rief Bertalda unwillig und ängstlich, »das arme, sc höne Wasser kräuselt sich und windet sich, weil es vor der klaren Sonne versteckt werden soll und vor  dem erfreulichen Anblick der Menschengesichter, zu deren Spiegel es erschaffen ist! - In der Tat  zischte und regte sich die Flut im Borne ganz wunderlich; es war, als wollte sich etwas daraus herv orringen, aber Undine drang nur um so ernstlicher auf die Erfüllung ihrer Befehle. Es brauc hte dieses Ernstes kaum. Das Schloßgesind war ebenso froh, seiner milden Herrin zu gehorchen, als  Bertaldas Trotz zu brechen, und so ungebärdig diese auch schelten und drohen mochte, lag dennoch  in kurzer Zeit der Stein über der Öffnung des Brunnens fest. Undine lehnte sich sinnend dar über hin und schrieb mit den schönen Fingern auf der Fläche. Sie mußte aber wohl etwas sehr  Scharfes und Ätzendes dabei in der Hand gehabt haben, denn als sie sich abwandte und die andern nähe r hinzutreten, nahmen sie allerhand seltsame Zeichen auf dem Steine wahr, die keiner vorher an  demselben gesehn haben wollte. Den heimkehrenden Ritter empfing am Abend Bertalda mit Tränen und Kla gen über Undinens Verfahren. Er warf ernste Blicke auf diese, und die arme Frau sah betrü bt vor sich nieder. Doch sagte sie mit großer Fassung: »Mein Herr und Ehgemahl schilt ja ke inen Leibeignen, bevor er ihn hört, wie minder dann sein angetrautes Weib.« - »Sprich, was di ch zu jener seltsamen Tat bewog«, sagte der Ritter mit finsterm Antlitz. - »Ganz allein mö cht ich es dir sagen!« seufzte Undine. - »Du kannst es ebensogut in Bertaldas Gegenwart«, entgegn ete er. - »Ja, wenn du es gebeutst«, sagte Undine; »aber gebeut es nicht. O bitte, bitte, ge beut es nicht.« - Sie sah so demütig, hold und gehorsam aus, daß des Ritters Herz sich einem So nnenblick aus bessern Zeiten erschloß. Er faßte sie freundlich unter den Arm und führ te sie in sein Gemach, wo sie folgendermaßen zu sprechen begann: »Du kennst ja den bösen Oheim Kühleborn, mein geliebter Herr, u nd bist ihm öfters unwillig in den Gängen dieser Burg begegnet. Bertalden hat er gar bisweilen zum K rankwerden erschreckt. Das macht, er ist seelenlos, ein bloßer, elementarisches Spiegel der  Außenwelt, der das Innere nicht wiederzustrahlen vermag. Da sieht er denn bisweilen, daß du unz ufrieden mit mir bist, daß ich in meinem kindischen Sinne darüber weine, daß Bertalda viellei cht eben in derselben Stunde zufällig lacht. Nun bildet er sich allerhand Ungleiches ein und misch t sich auf vielfache Weise ungebeten in unsern Kreis. Was hilft’s, daß ich ihn ausschalte? Da ß ich ihn unfreundlich wegschicke? Er glaubt mir nicht ein Wort. Sein armes Leben hat keine Ahn ung davon, wie Liebesleiden und Liebesfreuden einander so anmutig gleich sehn und so in nig verschwistert sind, daß keine Gewalt sie zu trennen vermag. Unter der Träne quillt das  Lächeln vor, das Lächeln lockt die Träne aus ihren Kammern.« Sie sah lächelnd und weinend nach Huldbrand in die Höh, der allen  Zauber der alten Liebe wieder in seinem Herzen empfand. Sie fühlte das, drückte ihn innig er an sich und fuhr unter freudigen Tränen also fort: »Da sich der Friedenstörer nicht mit Worten weisen ließ, muß te ich wohl die Tür vor ihm zusperren. Und die einzige Tür, die er zu uns hat, ist jener Brunnen.  Mit den andern Quellgeistern hier in der Gegend ist er entzweit, von den nächsten Tälern an, un d erst weiterhin auf der Donau, wenn einige seiner guten Freunde hineingeströmt sind, fängt sein R eich wieder an. Darum ließ ich den Stein über des Brunnens Öffnung wälzen und schrieb Zeichen  darauf, die alle Kraft des eifernden Oheims lähmen, so daß er nun weder dir noch mir noch Ber talden in den Weg kommen soll. Menschen freilich können trotz der Zeichen mit ganz gewöhnli chem Bemühen den Stein wieder abheben; die hindert es nicht. Willst du also, so tu nach Bertald as Begehr, aber wahrhaftig, sie weiß nicht, was sie bittet. Auf sie hat es der ungezogne Kühle born ganz vorzüglich abgesehn, und wenn manches käme, was er mir prophezeien wollte und was doch woh l geschehen könnte, ohne daß du es übel meintest - ach Lieber, so wärest ja auch du  nicht außer Gefahr!«
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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