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Undine

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mich der liebe Gott!« - »Wir wollen nicht allzuviel davon reden« , sagte der Fischer und führte seinen Gast in die Hütte. Drinnen saß bei dem Herde, von welchem aus ein spärliches Feuer di e dämmernde, reinliche Stube erhellte, auf einem großen Stuhle des Fischers betagte Frau; be im Eintritte des vornehmen Gastes stand sie freundlich grüßend auf, setzte sich aber an ihren  Ehrenplatz wieder hin, ohne diesen dem Fremdling anzubieten, wobei der Fischer lächelnd sagte: » Ihr müßt es ihr nicht verübeln, junger Herr, daß sie Euch den bequemsten Stuhl im Hause  nicht abtritt; das ist so Sitte bei armen Leuten, daß der den Alten ganz ausschließlich gehört. « - »Ei, Mann«, sagte die Frau mit ruhigem Lächeln, »wo denkst du auch hin? Unser Gast wird doch zu d en Christenmenschen gehören, und wie könnte es alsdann dem lieben jungen Blut einfalle n, alte Leute von ihren Sitzen zu verjagen?« - »Setzt Euch, mein junger Herr«, fuhr sie, gegen  den Ritter gewandt, fort; »es steht dorten noch ein recht artiges Sesselein, nur müßt Ihr nicht allzu  ungestüm damit hin und her rutschen, denn das eine Bein ist nicht allzu feste mehr.« - Der Ritte r holte den Sessel achtsam herbei, ließ sich freundlich darauf nieder, und es war ihm zumute, al s sei er mit diesem kleinen Haushalt verwandt und eben jetzt aus der Ferne dahin heimgekehrt. Die drei guten Leute fingen an, höchst freundlich und vertraulich mit einander zu sprechen. Vom Walde, nach welchem sich der Ritter einige Male erkundigte, wollte der a lte Mann freilich nicht viel wissen; am wenigsten, meinte er, passe sich das Reden davon jetzt in der  einbrechenden Nacht; aber von ihrer Wirtschaft und sonstigem Treiben erzählten die beiden  Eheleute desto mehr und hörten auch gerne zu, als ihnen der Rittersmann von seinen Reisen vor sprach und daß er eine Burg an den Quellen der Donau habe und Herr Huldbrand von Ringstetten ge heißen sei. Mitten durch das Gespräch hatte der Fremde schon bisweilen ein Plätschern  am niedrigen Fensterlein vernommen, als sprütze jemand Wasser dagegen. Der Alte runzelte bei d iesem Geräusche jedesmal zufrieden die Stirn; als aber endlich ein ganzer Guß gegen d ie Scheiben flog und durch den schlechtverwahrten Rahmen in die Stube hereinsprudelte, stand er unw illig auf und rief drohend nach dem Fenster hin: »Undine! Wirst du endlich einmal die Ki ndereien lassen. Und ist noch obenein heute ein fremder Herr bei uns in der Hütte.« - Es wa rd auch draußen stille, nur ein leises Gekicher ließ sich noch vernehmen, und der Fischer sagte, zurü ckkommend: »Das müßt Ihr nun schon zugute halten, mein ehrenwerter Gast, und vielleicht noch manc he Ungezogenheit mehr, aber sie meint es nicht böse. Es ist nämlich unsere Pflegeto chter Undine, die sich das kindische Wesen gar nicht abgewöhnen will, ob sie gleich bereits in i hr achtzehntes Jahr gehen mag. Aber wie gesagt, im Grunde ist sie doch von ganzem Herzen gut.« - »Du kannst wohl sprechen!« entgegnete kopfschüttelnd die Alte. »Wenn du so vom  Fischfang heimkommst oder von der Reise, da mag es mit ihren Schäkereien ganz was Artiges sein.  Aber sie den ganzen Tag lang auf dem Halse haben und kein kluges Wort hören und, statt bei wa chsendem Alter Hülfe im Haushalte zu finden, immer nur dafür sorgen müssen, daß uns ihr e Torheiten nicht vollends zugrunde richten - da ist es gar ein andres, und die heilige Geduld selb sten würd es am Ende satt.« - »Nun, nun«, lächelte der Hausherr, »du hast es m it Undinen und ich mit dem See. Reißt mir der doch auch oftmals meine Dämme und Netze durch, aber ich hab i hn dennoch gern und du mit allem Kreuz und Elend das zierliche Kindlein auch. Nicht wahr?« -  »Ganz böse kann man ihr eben nicht werden«, sagte die Alte und lächelte beifällig. Da flog die Tür auf, und ein wunderschönes Blondchen schlüpfte  lachend herein und sagte: »Ihr habt mich nur gefoppt, Vater; wo ist denn nun Euer Gast?« - Selben Au genblicks aber ward sie auch den Ritter gewahr und blieb staunend vor dem schönen Jüngling e stehn. Huldbrand ergötzte sich an der holden Gestalt und wollte sich die lieblichen Züge recht  achtsam einprägen, weil er meinte, nur ihre Überraschung lasse ihm Zeit dazu, und sie werde sich  bald nachher in zwiefacher Blödigkeit vor seinen Blicken abwenden. Es kam aber ganz anders. Denn  als sie ihn nun recht lange angesehen hatte, trat sie zutraulich näher, kniete vor ihm nied er und sagte, mit einem goldnen Schaupfennige, den er an einer reichen Kette auf der Brust trug,  spielend: »Ei du schöner, du freundlicher Gast, wie bist du denn endlich in unsre arme Hütte ge kommen? Mußtest du denn jahrelang in der Welt herumstreifen, bevor du dich auch einmal zu uns fa ndest? Kommst du aus dem wüsten Walde, du schöner Freund?« - Die scheltende Alte lie ß ihm zur Antwort keine Zeit. Sie ermahnte das Mädchen, fein sittig aufzustehen und sich an ihre Ar beit zu begeben. Undine aber zog, ohne zu antworten, eine kleine Fußbank neben Huldbrands Stu hl, setzte sich mit ihrem
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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