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anfingen und die Gesellschaft sich streitend und eifernd in verschiedne Parten teilte, erbat sie sich
mit einem Male so würdig und ernst die Freiheit, in den Zimmern ihres Mannes zu reden, daß alles
um sie her wie auf einen Wink still ward. Sie trat darauf an das obre En de des Tisches, wo
Bertalda gesessen hatte, demütig und stolz, und sprach, während si ch aller Augen unverwandt auf
sie richteten, folgendergestalt:
»Ihr Leute, die ihr so feindlich ausseht und so verstört und mir m ein liebes Fest so grimm
zerreißt, ach Gott, ich wußte von euern törichten Sitten und eu rer harten Sinnesweise nichts und
werde mich wohl mein lebelang nicht drin finden. Daß ich alles verkeh rt angefangen habe, liegt
nicht an mir; glaubt nur, es liegt einzig an euch, sowenig es auch darna ch aussehen mag. Ich habe
euch auch deshalb nur wenig zu sagen, aber das eine muß gesagt sein: ich habe nicht gelogen.
Beweise kann und will ich euch außer meiner Versicherung nicht geben, aber beschwören will ich
es. Mir hat es derselbe gesagt, der Bertalden von ihren Eltern weg ins W asser lockte und sie
nachher dem Herzog in seinen Weg auf die grüne Wiese legte.«
»Sie ist eine Zauberin«, rief Bertalda, »eine Hexe, die mit bö sen Geistern Umgang hat! Sie
bekennt es ja selbst.«
»Das tue ich nicht«, sagte Undine, einen ganzen Himmel der Unschul d und Zuversicht in ihren
Augen. »Ich bin auch keine Hexe; seht mich nur darauf an.«
»So lügt sie und prahlt«, fiel Bertalda ein, »und kann nicht behaupten, daß ich dieser niedern
Leute Kind sei. Meine herzoglichen Eltern, ich bitte euch, führt mich aus dieser Gesellschaft fort
und aus dieser Stadt, wo man nur darauf ausgeht, mich zu schmähen.«
Der alte, ehrsame Herzog aber blieb fest stehen, und seine Gemahlin sagt e: »Wir müssen
durchaus wissen, woran wir sind; Gott sei vor, daß ich eher nur einen Fuß aus diesem Saale
setze.« - Da näherte sich die alte Fischerin, beugte sich tief vor der Herzogin und sagte: »Ihr
schließt mir das Herz auf, hohe, gottesfürchtige Frau. Ich muß Euch sagen, wenn dieses böse
Fräulein meine Tochter ist, trägt sie ein Mal, gleich einem Veilch en, zwischen beiden Schultern
und ein gleiches auf dem Spann ihres linken Fußes. Wenn sie sich nur mit mir aus dem Saale
entfernen wollte.« - »Ich entblöße mich nicht vor der Bäu erin«, sagte Bertalda, ihr stolz den
Rücken wendend. - »Aber vor mir doch wohl«, entgegnete die Herz ogin mit großem Ernst. »Ihr
werdet mir in jenes Gemach folgen, Jungfrau, und die gute Alte kommt mit .« - Die drei
verschwanden, und alle übrigen blieben in großer Erwartung schweig end zurück. Nach einer
kleinen Weile kamen die Frauen wieder, Bertalda totenbleich, und die Her zogin sagte: »Recht muß
Recht bleiben: deshalben erklär ich, daß unsre Frau Wirtin vollkom men wahr gesprochen hat.
Bertalda ist des Fischers Tochter, und so viel ist, als man hier zu wiss en braucht.« Das fürstliche
Ehepaar ging mit der Pflegetochter fort; auf einen Wink des Herzogs folg te ihnen der Fischer mit
seiner Frau. Die andern Gäste entfernten sich schweigend oder heimlic h murmelnd, und Undine
sank herzlich weinend in Huldbrands Arme.
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