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Eilftes Kapitel:
Bertaldas Namensfeier
Die Gesellschaft saß bei Tafel, Bertalda mit Kleinodien und Blumen, d en mannigfachen
Geschenken ihrer Pflegeeltern und Freunde geschmückt, wie eine Frü hlingsgöttin, obenan, zu
ihrer Seiten Undine und Huldbrand. Als das reiche Mahl zu Ende ging und man den Nachtisch
auftrug, blieben die Türen offen; nach alter, guter Sitte in deutsche n Landen, damit auch das Volk
zusehen könne und sich an der Lustigkeit der Herrschaften mitfreuen. Bediente trugen Wein und
Kuchen unter den Zuschauern herum. Huldbrand und Bertalda warteten mit h eimlicher Ungeduld
auf die versprochne Erklärung und verwandten, sosehr es sich tun ließ , kein Auge von Undinen.
Aber die schöne Frau blieb noch immer still und lächelte nur heiml ich und innig froh vor sich hin.
Wer um ihre getane Verheißung wußte, konnte sehn, daß sie ihr e rquickendes Geheimnis alle
Augenblick verraten wollte und es doch noch immer in lüsterner Entsag ung zurücklegte, wie es
Kinder bisweilen mit ihren liebsten Leckerbissen tun. Bertalda und Huldb rand teilten dies wonnige
Gefühl, in hoffender Bangigkeit das neue Glück erwartend, welches von ihrer Freundin Lippen auf
sie herniedertauen sollte. Da baten verschiedne von der Gesellschaft Und inen um ein Lied. Es
schien ihr gelegen zu kommen, sie ließ sich ihre Laute bringen und sa ng folgende Worte:
»Morgen so hell,
Blumen so bunt,
Gräser so duftig und hoch
An wallenden Sees Gestade!
Was zwischen den Gräsern
Schimmert so licht?
Ists eine Blüte weiß und groß,
Vom Himmel gefallen in Wiesenschoß?
Ach, ist ein zartes Kind! -
Unbewußt mit Blumen tändelts,
Faßt nach goldnen Morgenlichtern;
O woher? Woher, du Holdes? -
Fern vom unbekannten Strande
Trug es hier der See heran; -
Nein, fasse nicht, du zartes Leben,
Mit deiner kleinen Hand herum;
Nicht Hand wird dir zurückgegeben,
Die Blumen sind so fremd und stumm.
Die wissen wohl sich schön zu schmücken,
Zu duften auch nach Herzenslust,
Doch keine mag dich an sich drücken,
Fern ist die traute Mutterbrust.
So früh noch an des Lebens Toren,
Noch Himmelslächeln im Gesicht,
Hast du das Beste schon verloren,
O armes Kind, und weißt es nicht.
Ein edler Herzog kommt geritten
Und hemmt vor dir des Rosses Lauf;
Zu hoher Kunst und reinen Sitten
Zieht er in seiner Burg dich auf.
Du hast unendlich viel gewonnen,
Du blühst, die Schönst im ganzen Land,
Doch ach! die allerbesten Wonnen
Ließst du am unbekannten Strand.«
Undine senkte mit einem wehmütigen Lächeln ihre Laute; die Augen d er herzoglichen
Pflegeeltern Bertaldens standen voller Tränen. - »So war es am Mor gen, wo ich dich fand, du
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