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Undine

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Zehntes Kapitel: Wie sie in der Stadt lebten Daß der junge Ritter Huldbrand von Ringstetten so plötzlich vermiß t worden war, hatte großes Aufsehen in der Reichsstadt erregt und Bekümmernis bei den Leuten, di e ihn allesamt wegen seiner Gewandtheit bei Turnier und Tanz wie auch wegen seiner milden, fr eundlichen Sitten liebgewonnen hatten. Seine Diener wollten nicht ohne ihren Herrn von dem  Orte wieder weg, ohne daß doch einer den Mut gefaßt hätte, ihm in die Schatten des ge fürchteten Forstes nachzureiten. Sie blieben also in ihrer Herberge, untätig hoffend, wie es die Mensc hen zu tun pflegen und durch ihre Klagen das Andenken des Verlornen lebendig erhalten. Wie nun bald d arauf die großen Unwetter und Überschwemmungen merkbarer wurden, zweifelte man um so m inder an dem gewissen Untergange des schönen Fremden, den auch Bertalda ganz unver hohlen betrauerte und sich selbst verwünschte, daß sie ihn zu dem unseligen Ritte nach d em Walde gelockt habe. Ihre herzoglichen Pflegeeltern waren gekommen, sie abzuholen, aber Bertalda b ewog sie, mit ihr zu bleiben, bis man gewisse Nachricht von Huldbrands Leben oder Tod einzieh e. Sie suchte verschiedne junge Ritter, die emsig um sie warben, zu bewegen, daß si e dem edlen Abenteurer in den Forst nachziehn möchten. Aber ihre Hand mochte sie nicht zum Prei se des Wagestücks ausstellen, weil sie vielleicht noch immer hoffte, dem Wiederkehrenden a ngehören zu können, und um Handschuh oder Band, oder auch selbst um einen Kuß, wollte niemand  sein Leben dran setzen, einen so gar gefährlichen Nebenbuhler zurückzuholen. Nun, da Huldbrand unerwartet und plötzlich erschien, freuten sich Die ner und Stadtbewohner und überhaupt fast alle Leute, nur Bertalda eben nicht, denn wenn es  den andern auch ganz lieb war, daß er eine so wunderschöne Frau mitbrachte und den Pater Hei lmann als Zeugen der Trauung, so konnte doch Bertalda nicht anders als sich deshalb betrüb en. Erstlich hatte sie den jungen Rittersmann wirklich von ganzer Seele liebgewonnen, und dann war  durch ihre Trauer über sein Wegbleiben den Augen der Menschen weit mehr davon kund geworden, al s sich nun eben schicken wollte. Sie tat deswegen aber doch immer als ein kluges Weib, f and sich in die Umstände und lebte aufs allerfreundlichste mit Undinen, die man in der ganzen Sta dt für eine Prinzessin hielt, welche Huldbrand im Walde von irgendeinem bösen Zauber erlöst habe . Wenn man sie selbst oder ihren Eheherrn darüber befragte, wußten sie zu schweigen oder  geschickt auszuweichen, des Pater Heilmanns Lippen waren für jedes eitle Geschwätz versieg elt, und ohnehin war er gleich nach Huldbrands Ankunft wieder in sein Kloster zurückgegangen, so daß  sich die Leute mit ihren seltsamen Mutmaßungen behelfen mußten und auch selbst Bertalda nic ht mehr als jeder andre von der Wahrheit erfuhr. Undine gewann übrigens dies anmutige Mädchen mit jedem Tage lieber . - »Wir müssen uns einander schon eher gekannt haben«, pflegte sie ihr öfters zu sage n, »oder es muß sonst irgendeine wundersame Beziehung unter uns geben, denn so ganz ohne Ursac h, versteht mich, ohne tiefe, geheime Ursach gewinnt man ein andres nicht so lieb, als ich  Euch gleich vom ersten Anblicke her gewann.« - Und auch Bertalda konnte sich nicht ableugnen , daß sie einen Zug der Vertraulichkeit und Liebe zu Undinen empfinde, wie sehr sie übrigens  meinte, Ursach zu den bittersten Klagen über diese glückliche Nebenbuhlerin zu haben. In  dieser gegenseitigen Neigung wußte die eine bei ihren Pflegeeltern, die andre bei ihrem Ehegatten  den Tag der Abreise weiter und weiter hinauszuschieben; ja, es war schon die Rede davon gewesen, Be rtalda solle Undinen auf einige Zeit nach Burg Ringstetten an die Quellen der Donau begleiten . Sie sprachen auch einmal eines schönen Abends davon, als sie eben bei  Sternenschein auf dem mit hohen Bäumen eingefaßten Markte der Reichsstadt umherwande lten. Die beiden jungen Eheleute hatten Bertalden noch spät zu einem Spaziergange abgeholt, u nd alle drei zogen vertraulich unter dem tiefblauen Himmel auf und ab, oftmals in ihren Ges prächen durch die Bewunderung unterbrochen, die sie dem kostbaren Springborn in der Mitte  des Platzes und seinem wundersamen Rauschen und Sprudeln zollen mußten. Es war ihnen  so lieb und heimlich zu Sinn; zwischen die Baumschatten durch stahlen sich die Lichtschimmer  der nahen Häuser, ein stilles Gesumse von spielenden Kindern und andern lustwandelnden Mensche n wogte um sie her;
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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