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wohl nähere Kunde von Euch haben.« - »Und wer seid Ihr denn, vo n einem aufs andre zu
kommen?« fragte der Fremde. »Sie nennen mich den Pater Heilmann« , sprach der Geistliche,
»und ich komme aus Kloster Mariagruß von jenseit des Sees.« - » So, so«, antwortete der Fremde.
»Ich heiße Kühleborn, und wenn es auf Höflichkeit ankommt, k önnte man mich auch wohl
ebensogut Herr von Kühleborn betiteln, oder Freiherr von Kühleborn ; denn frei bin ich wie der
Vogel im Walde, und wohl noch ein bißchen drüber. Zum Exempel, jet zt hab ich der jungen Frau
dorten etwas zu erzählen.« - Und ehe man sichs versah, war er auf der andern Seite des
Priesters, dicht neben Undinen, und reckte sich hoch in die Höhe, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern.
Sie aber wandte sich erschrocken ab, sagend: »Ich habe nichts mit Euc h mehr zu schaffen.« -
»Hoho«, lachte der Fremde, »was für eine ungeheuer vornehme Heirat habt Ihr denn getan, daß
Ihr Eure Verwandten nicht mehr kennt? Wißt Ihr denn nicht vom Oheim K ühleborn, der Euch auf
seinem Rücken so treu in diese Gegend trug?« - »Ich bitte Euch aber«, entgegnete Undine, »daß
Ihr Euch nicht wieder vor mir sehn laßt. Jetzt fürcht ich Euch; un d soll mein Mann mich scheuen
lernen, wenn er mich in so seltsamer Gesellschaft und Verwandtschaft sie ht?« - »Nichtchen«,
sagte Kühleborn, »Ihr müßt nicht vergessen, daß ich hier zum Geleiter bei Euch bin; die
spukenden Erdgeister möchten sonst dummen Spaß mit Euch treiben. L aßt mich also doch immer
ruhig mitgehn; der alte Priester dort wußte sich übrigens meiner b esser zu erinnern, als Ihr es zu
tun scheint, denn er versicherte vorhin, ich käme ihm sehr bekannt vo r, und ich müsse wohl mit im
Nachen gewesen sein, aus dem er ins Wasser fiel. Das war ich auch freili ch, denn ich war just die
Wasserhose, die ihn herausriß, und schwemmte ihn hernach zu deiner Tr auung vollends ans
Land.«
Undine und der Ritter sahen nach Pater Heilmann; der aber schien in eine m wandelnden
Traume fortzugehn und von allem, was gesprochen ward, nichts mehr zu ver nehmen. Da sagte
Undine zu Kühleborn: »Ich sehe dort schon das Ende des Waldes. Wir brauchen Eurer Hülfe nicht
mehr, und nichts macht uns Grauen als Ihr. Drum bitt Euch in Lieb und Gü te, verschwindet und
laßt uns in Frieden ziehn.« - Darüber schien Kühleborn unwil lig zu werden; er zog ein häßliches
Gesicht und grinzte Undinen an, die laut aufschrie und ihren Freund zu H ülfe rief. Wie ein Blitz war
der Ritter um das Pferd herum und schwang die scharfe Klinge gegen Kü hleborns Haupt. Aber er
hieb in einen Wasserfall, der von einer hohen Klippe neben ihnen herabsc häumte und sie plötzlich
mit einem Geplätscher, das beinahe wie Lachen klang, übergoß un d bis auf die Haut durchnetzte.
Der Priester sagte, wie plötzlich erwachend: »Das hab ich lange ge dacht, weil der Bach so dicht
auf der Anhöhe neben uns herlief. Anfangs wollt es mir gar vorkommen, als wär er ein Mensch und
könne sprechen.« - In Huldbrands Ohr rauschte der Wasserfall ganz vernehmlich diese Worte:
»Rascher Ritter, rüstger Ritter, ich zürne nicht, ich zanke nicht; schirm nur dein reizend Weiblein
stets so gut, du Ritter rüstig, du rasches Blut!«
Nach wenigen Schritten waren sie im Freien. Die Reichsstadt lag glänz end vor ihnen, und die
Abendsonne, welche deren Türme vergoldete, trocknete freundlich die K leider der durchnäßten
Wandrer.
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