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Undine

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Neuntes Kapitel: Wie der Ritter seine junge Frau mit sich führte Als Huldbrand am anderen Morgen vom Schlaf erwachte, fehlte seine schö ne Genossin an seiner Seiten, und er fing schon an, wieder den wunderlichen Gedanken na chzuhängen, die ihm seine Ehe und die reizende Undine selbst als ein flüchtiges Blendwerk  und Gaukelspiel vorstellen wollten. Aber da trat sie eben zur Tür herein, küßte ihn, setzt e sich zu ihm aufs Bett und sagte: »Ich bin etwas früh hinaus gewesen, um zu sehn, ob der Oheim Wort  halte. Er hat schon alle Fluten wieder in sein stilles Bett zurückgelenkt und rinnt nun nach w ie vor einsiedlerisch und sinnend durch den Wald. Seine Freunde in Wasser und Luft haben sich auch  zur Ruhe gegeben; es wird wieder alles ordentlich und ruhig in diesen Gegenden zugehen, un d du kannst trocknen Fußes heimreisen, sobald du willst.« - Es war Huldbranden zumute,  als träume er wachend fort, so wenig konnte er sich in die seltsame Verwandtschaft seiner Frau finden.  Dennoch ließ er sich nichts merken, und die unendliche Anmut des holden Weibes wiegte auch ba ld jedwede unheimliche Ahnung zur Ruhe. - Als er nach einer Weile mit ihr vor der T ür stand und die grünende Seespitze mit ihren klaren Wassergrenzen überschaute, war d es ihm so wohl in dieser Wiege seiner Liebe, daß er sagte: »Was sollen wir denn auch heute  schon reisen? Wir finden wohl keine vergnügtern Tage in der Welt haußen, als wir sie an diesem h eimlichen Schutzörtlein verlebten. Laß uns immer noch zwei oder dreimal die Sonne hier unterg ehn sehn.« - »Wie mein Herr es gebeut«, entgegnete Undine in freundlicher Demut. »Es ist  nur, daß sich die alten Leute ohnehin schon mit Schmerzen von mir trennen werden, und wenn sie nun ers t die treue Seele in mir spüren und wie ich jetzt innig lieben und ehren kann, bricht ihne n wohl gar vor vielen Tränen das schwache Augenlicht. Noch halten sie meine Stille und Frömmigkeit  für nichts Besseres, als es sonst in mir bedeutete, für die Ruhe des Sees, wenn eben die Luft  still ist, und sie werden sich nun ebensogut einem Bäumchen oder Blümlein befreunden lernen als m ir. Laß mich ihnen dies neugeschenkte, von Liebe wallende Herz nicht kundgeben in Augenblicken,  wo sie es für diese Erde verlieren sollen, und wie könnt ich es bergen, blieben wir lä nger zusammen?« - Huldbrand gab ihr recht; er ging zu den Alten und besprach die Reise mit ihnen, di e noch in dieser Stunde vor sich gehen sollte. Der Priester bot sich den beiden jungen Eheleuten zum  Begleiter an, er und der Ritter hoben nach kurzem Abschied die schöne Frau aufs Pferd und schr itten mit ihr über das ausgetrocknete Bette des Waldstroms eilig dem Forste zu. Undine weinte s till, aber bitterlich, die alten Leute klagten ihr laut nach. Es schien, als seie diesen eine Ahnun g aufgegangen von dem, was sie eben jetzt an der holden Pflegetochter verloren. Die drei Reisenden waren schweigend in die dichtesten Schatten des Walde s gelangt. Es mochte hübsch anzusehen sein in dem grünen Blättersaal, wie die  schöne Frauengestalt auf dem edlen, zierlich geschmückten Pferde saß und von einer Seite der eh rwürdige Priester in seiner weißen Ordenstracht, von der anderen der blühende Ritter in bunten  hellen Kleidern, mit seinem prächtigen Schwerte umgürtet, achtsam beiher schritten. Huldbrand  hatte nur Augen für sein holdes Weib; Undine, die ihre lieben Tränen getrocknet hatte, nur Aug en für ihn, und sie gerieten bald in ein stilles, lautloses Gespräch mit Blicken und Winken, aus d em sie erst spät durch ein leises Reden erweckt wurden, welches der Priester mit einem vierten Reis egesellschafter hielt, der indes unbemerkt zu ihnen gekommen war. Er trug ein weißes Kleid, fast wie des Priesters Ordenshabit, nur daß  ihm die Kappe ganz tief ins Gesicht hereinhing und das ganze in so weiten Falten um ihn herflog,  daß er alle Augenblicke mit Aufraffen und über den Arm schlagen oder sonst dergleichen Anordn ungen zu tun hatte, ohne daß er doch dadurch im geringsten im Gehen behindert schien. Als die  jungen Eheleute seiner gewahr wurden, sagte er eben: »Und so wohn ich denn schon seit vielen  Jahren hier im Walde, mein ehrwürdiger Herr, ohne daß man mich Eurem Sinne nach einen Er emiten nennen könnte. Denn, wie gesagt, von Buße weiß ich nichts und glaube sie auch nic ht sonderlich zu bedürfen. Ich habe nur deswegen den Wald so lieb, weil es sich auf eine ganz eigne Wei se hübsch ausnimmt und mir Spaß macht, wenn ich in meinen flatternden weißen Kleidern  durch die finstern Schatten und Blätter hingehe und dann bisweilen ein süßer Sonnenstrahl u nvermutet auf mich herunterblitzt.« - »Ihr seid ein höchst seltsamer Mann«, ent gegnete der Priester, »und ich möchte
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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