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Siebentes Kapitel:
Was sich weiter am Hochzeitabende begab
Gar sittig und still hatte sich Undine vor und während der Trauung be wiesen, nun aber war es,
als schäumten alle die wunderlichen Grillen, welche in ihr hausten, u m so dreister und kecklicher
auf der Oberfläche hervor. Sie neckte Bräutigam und Pflegeeltern u nd selbst den noch kaum so
hochverehrten Priester mit allerhand kindischen Streichen, und als die W irtin etwas dagegen
sagen wollte, brachten diese ein paar ernste Worte des Ritters, worin er Undinen mit großer
Bedeutsamkeit seine Hausfrau nannte, zum Schweigen. Ihm selbst indessen, dem Ritter, gefiel
Undinens kindisches Bezeigen ebensowenig; aber da half kein Winken und k ein Räuspern und
keine tadelnde Rede. Sooft die Braut ihres Lieblings Unzufriedenheit mer kte - und das geschah
einigemal -, ward sie freilich stiller, setzte sich neben ihn, streichel te ihn, flüsterte ihm lächelnd
etwas in das Ohr und glättete so die aufsteigenden Falten seiner Stir n. Aber gleich darauf riß sie
irgendein toller Einfall wieder in das gaukelnde Treiben hinein, und es ging nur ärger als zuvor. Da
sagte der Priester sehr ernsthaft und sehr freundlich: »Mein anmutiges junges Mägdlein, man kann
Euch zwar nicht ohne Ergötzen ansehn, aber denkt darauf, Eure Seele b eizeiten so zu stimmen,
daß sie immer die Harmonie zu der Seele Eures angetrauten Bräutiga ms anklingen lasse.« -
»Seele!« lachte ihn Undine an, »das klingt recht hübsch und mag auch für die mehrsten Leute eine
gar erbauliche und nutzreiche Regel sein. Aber wenn nun eins gar keine S eele hat, bitt Euch, was
soll es denn da stimmen? Und so geht es mir.« - Der Priester schwieg tiefverletzt, im frommen
Zürnen, und kehrte sein Antlitz wehmütig von dem Mädchen ab. Si e aber ging schmeichelnd auf
ihn zu und sagte: »Nein, hört doch erst ordentlich, eh Ihr böse ausseht, denn Euer Böseaussehn
tut mir weh, und Ihr müßt doch keiner Kreatur weh tun, die Euch ih rerseits nichts zuleide getan hat.
Zeigt Euch nur duldsam gegen mich, und ich wills Euch ordentlich sag en, wie ichs meine.«
Man sah, sie stellte sich in Bereitschaft, etwas recht Ausführliches zu erzählen, aber plötzlich
stockte sie, wie von einem innern Schauer ergriffen, und brach in einen reichen Strom der
wehmütigsten Tränen aus. Sie wußten alle nicht mehr, was sie re cht aus ihr machen sollten, und
starrten sie in unterschiedlichen Besorgnissen schweigend an. Da sagte s ie endlich, sich ihre
Tränen abtrocknend und den Priester ernsthaft ansehend: »Es muß etwas Liebes, aber auch
etwas höchst Furchtbares um eine Seele sein. Um Gott, mein frommer Ma nn, wär es nicht besser,
man würde ihrer nie teilhaftig?« Sie schwieg wieder still, wie auf Antwort wartend, ihre Tränen
waren gehemmt. Alle in der Hütte hatten sich von ihren Sitzen erhoben und traten schaudernd vor
ihr zurück. Sie aber schien nur für den Geistlichen Augen zu haben , auf ihren Zügen malte sich der
Ausdruck einer fürchtenden Neubegier, die eben deshalb den andern hö chst furchtbar vorkam. -
»Schwer muß die Seele lasten«, fuhr sie fort, da ihr noch niema nd antwortete, »sehr schwer! Denn
schon ihr annahendes Bild überschattet mich mit Angst und Trauer. Und ach, ich war so leicht, so
lustig sonst!« - Und in einen erneuten Tränenstrom brach sie aus u nd schlug das Gewand vor
ihrem Antlitze zusammen. Da trat der Priester, ernsten Ansehens, auf sie zu und sprach sie an
und beschwur sie bei den heiligsten Namen, sie solle die lichte Hülle abwerfen, falls etwas Böses
in ihr sei. Sie aber sank vor ihm in die Knie, alles Fromme wiederholend , was er sprach, und Gott
lobend und beteuernd, sie meine es gut mit der ganzen Welt. Da sagte end lich der Priester zum
Ritter: »Herr Bräutigam, ich lasse Euch allein mit der, die ich Eu ch angetraut habe. Soviel ich
ergründen kann, ist nichts Übles an ihr, wohl aber des Wundersamen viel. Ich empfehle Euch
Vorsicht, Liebe und Treue.« - Damit ging er hinaus, die Fischersleute folgten ihm, sich bekreuzend.
Undine war auf die Knie gesunken, sie entschleierte ihr Angesicht und sa gte, scheu nach
Huldbranden umblickend: »Ach, nun willst du mich gewiß nicht behal ten; und hab ich doch nichts
Böses getan, ich armes, armes Kind!« - Sie sah dabei so unendlich anmutig und rührend aus, daß
ihr Bräutigam alles Grauens und aller Rätselhaftigkeit vergaß, zu ihr hineilend und sie in seinen
Armen emporrichtend. Da lächelte sie durch ihre Tränen; es war, al s wenn das Morgenrot auf
kleinen Bächen spielt. - »Du kannst nicht von mir lassen!« flü sterte sie vertraulich und sicher und
streichelte mit den zarten Händchen des Ritters Wangen. Dieser wandte sich darüber von den
furchtbaren Gedanken ab, die noch im Hintergrunde seiner Seele lauerten und ihm einreden
wollten, er sei an eine Fei oder sonst ein böslich neckendes Wesen de r Geisterwelt angetraut; nur
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