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Undine

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»Ja, Insel!« sagte der Fischer. »Vor kurzem war’s noch eine  Landspitze. Nun aber, seit Waldstrom und See schier toll geworden sind, sieht es ganz anders mit un s aus.« »Ich merkte so etwas«, sagte der Priester, »indem ich im Dunkel n das Wasser entlängst schlich und, ringsum nur wildes Gebrause antreffend, endlich schaute, wie sich e in betretner Fußpfad gerade in das Getos hinein verlor. Nun sahe ich das Licht in eurer Hü tte und wagte mich hierher, wo ich denn meinem himmlischen Vater nicht genug danken kann, daß er  mich nach meiner Rettung aus dem Gewässer auch noch zu so frommen Leuten geführt ha t als zu euch; und das um so mehr, da ich nicht wissen kann, ob ich außer euch vieren noch in d iesem Leben andre Menschen wieder zu sehen bekomme.« »Wie meint Ihr das?« fragte der Fischer. »Wißt ihr denn, wie lange dieses Treiben der Elemente währen so ll?« entgegnete der Geistliche. »Und ich bin alt an Jahren. Gar leichtlich mag mein Leben sstrom eher versiegend unter die Erde gehn als die Überschwemmung des Waldstromes da draußen. U nd überhaupt, es wäre ja nicht unmöglich, daß mehr und mehr des schäumenden Wassers sich  zwischen euch und den jenseitigen Forst drängte, bis ihr so weit von der übrigen Erde ab gerissen würdet, daß euer Fischerkähnlein nicht mehr hinüberreichte und die Bewohner des fes ten Landes in ihren Zerstreuungen euer Alter gänzlich vergessen.« Die alte Hausfrau fu hr hierüber zusammen, kreuzte sich und sagte: »Das verhüte Gott!« Aber der Fischer sahe sie l ächelnd an und sprach: »Wie doch auch nun der Mensch ist! Es wäre ja dann nicht anders, wenigstens nic ht für dich, liebe Frau, als es nun ist. Bist du denn seit vielen Jahren weiter gekommen als an die G renze des Forstes? Und hast du andre Menschen gesehn als Undinen und mich? - Seit kurzem sind n un noch der Ritter und der Priester zu uns gekommen. Die blieben bei uns, wenn wir zur verg essenen Insel würden; also hättest du ja den besten Gewinn davon.« »Ich weiß nicht«, sagte die alte Frau, »es wird einem doch u nheimlich zumute, wenn man sich’s nun so vorstellt, daß man unwiederbringlich von den andern Leuten ges chieden wär, ob man sie übrigens auch weder kennt noch sieht.« »Du bliebest dann bei uns, du bliebest dann bei uns! flüsterte Und ine ganz leise, halb singend, und schmiegte sich inniger an Huldbrands Seite. Dieser aber war in tiefe n und seltsamen Gebilden seines Innern verloren. Die Gegend jenseit des Waldwassers zog sich seit  des Priesters letzten Worten immer ferner und dunkler von ihm ab, die blühende Insel, auf w elcher er lebte, grünte und lachte immer frischer in sein Gemüt herein. Die Braut glühte als d ie schönste Rose dieses kleinen Erdstriches und auch der ganzen Welt hervor, der Priester war zur Stelle . Dazu kam noch eben, daß ein zürnender Blick der Hausfrau das schöne Mädchen traf , weil sie sich in Gegenwart des geistlichen Herren so dicht an ihren Liebling lehnte, und es schien, als  wolle ein Strom von unerfreulichen Worten folgen. Da brach es aus des Ritters Munde, daß  er, gegen den Priester gewandt, sagte: »Ihr seht hier ein Brautpaar vor Euch, ehrwürdiger  Herr, und wenn dies Mädchen und die guten alten Fischersleute nichts dawider haben, sollt Ihr uns he ute abend noch zusammengeben.« - Die beiden alten Eheleute waren sehr verwundert. Si e hatten zwar bisher oft so etwas gedacht, aber ausgesprochen hatten sie es doch niemals, und wie  nun der Ritter dies tat, kam es ihnen als etwas ganz Neues und Unerhörtes vor. Undine war plö tzlich ernst geworden und sah tiefsinnig vor sich nieder, während der Priester nach den nähe rn Umständen fragte und sich bei den Alten nach ihrer Einwilligung erkundigte. Man kam nach mannigfac hem Hin- und Herreden miteinander aufs reine; die Hausfrau ging, um den jungen Leuten das Brau tgemach zu ordnen und zwei geweihte Kerzen, die sie seit langer Zeit verwahrt hielt, für di e Trauungsfeierlichkeit hervorzusuchen. Der Ritter nestelte indes an seiner goldnen Kette und wo llte zwei Ringe losdrehen, um sie mit der Braut wechseln zu können. Diese aber fuhr,  es bemerkend, aus ihrem tiefen Sinnen auf und sprach: »Nicht also! Ganz bettelarm haben mich  meine Eltern nicht in die Welt hineingeschickt; vielmehr haben sie gewißlich schon frühe dar auf gerechnet, daß ein solcher Abend aufgehn solle.« - Damit war sie schnell aus der Tür und kam  gleich darauf mit zwei kostbaren Ringen zurück, deren einen sie ihrem Bräutigam gab und d en andern für sich behielt. Der alte Fischer war ganz erstaunt darüber und noch mehr die Hausfrau , die eben wieder hereintrat, daß beide diese Kleinodien noch niemals bei dem Kinde ges ehn hatten. - »Meine
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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