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braucht mir nichts zu geben«, fuhr sie fort, »denn ich bin schon z ufrieden, wenn ihr lustiger
ausseht und bessere Einfälle habt als diesen letzten, langweiligen Ta g hindurch. Kommt nur mit;
der Waldstrom hat ein Faß an das Ufer getrieben, und ich will verdamm t sein, eine ganze Woche
lang zu schlafen, wenn es nicht ein Weinfaß ist.« - Die Männer folgten ihr nach und fanden wirklich
an einer umbüschten Bucht des Ufers ein Faß, welches ihnen Hoffnun g gab, als enthalte es den
edlen Trank, wonach sie verlangten. Sie wälzten es vor allem aufs sch leunigste in die Hütte, denn
ein schweres Wetter zog wieder am Abendhimmel herauf, und man konnte in der Dämmerung
bemerken, wie die Wogen des Sees ihre weißen Häupter schäumend emporrichteten, als sähen
sie sich nach dem Regen um, der nun bald auf sie herunterrauschen sollte . Undine half den
beiden nach Kräften und sagte, als das Regenwetter plötzlich allzu schnell heraufheulte, lustig
drohend in die schweren Wolken hinein: »Du! du! Hüte dich, daß du uns nicht naß machst; wir sind
noch lange nicht unter Dach.« - Der Alte verwies ihr solches als eine sündhafte Vermessenheit;
aber sie kicherte leise vor sich hin, und es widerfuhr auch niemandem et was Übles darum.
Vielmehr gelangten alle drei, wider Vermuten, mit ihrer Beute trocken an den behaglichen Herd,
und erst, als man das Faß geöffnet und erprobt hatte, daß es ei nen wundersam trefflichen Wein
enthalte, riß sich der Regen aus dem dunkeln Gewölke los, und raus chte der Sturm durch die
Wipfel der Bäume und über des Sees empörte Wogen hin.
Einige Flaschen waren bald aus dem großen Fasse gefüllt, das fü r viele Tage Vorrat verhieß,
man saß trinkend und scherzend und heimisch gesichert vor dem tobende n Unwetter an der Glut
des Herdes beisammen. Da sagte der alte Fischer und ward plötzlich se hr ernst: »Ach großer
Gott, wir freuen uns hier der edlen Gabe, und der, welchem sie zuerst an gehörte und vom Strome
genommen ward, hat wohl gar das liebe Leben drum lassen müssen.« - »Er wird ja nicht grade!«
meinte Undine und schenkte dem Ritter lächelnd ein. Der aber sagte: » Bei meiner höchsten Ehre,
alter Vater, wüßt ich ihn zu finden und zu retten, mich sollte kei n Gang in die Nacht hinaus dauern
und keine Gefahr. Soviel aber kann ich Euch versichern, komm ich je wied er zu bewohntern
Landen, so will ich ihn oder seine Erben schon ausfindig machen und dies en Wein doppelt und
dreifach ersetzen.« - Das freute den alten Mann; er nickte dem Ritter billigend zu und trank nun
seinen Becher mit besserm Gewissen und Behagen leer. Undine aber sagte z u Huldbranden: »Mit
der Entschädigung und mit deinem Golde halt es, wie du willst. Das ab er mit dem Nachlaufen und
Suchen war dumm geredet. Ich weinte mir die Augen aus, wenn du darübe r verlorengingst, und,
nicht wahr, du möchtest auch lieber bei mir bleiben und bei dem guten Wein?« - »Das freilich«,
entgegnete Huldbrand lächelnd. »Nun«, sagte Undine, »also ha st du dumm gesprochen. Denn
jeder ist sich doch selbst der Nächste, und was gehen einen die ander n Leute an.« - Die
Hauswirtin wandte sich seufzend und kopfschüttelnd von ihr ab, der Fi scher vergaß seiner
sonstigen Vorliebe für das zierliche Mägdlein und schalt. »Als ob dich Heiden und Türken erzogen
hätten, klingt ja das«, schloß er seine Rede; »Gott verzeih es mir und dir, du ungeratnes Kind.« -
»Ja, aber mir ist doch nun einmal so zumute«, entgegnete Undine, » habe mich erzogen, wer da
will, und was können da all eure Worte helfen.« - »Schweig!« fuhr der Fischer sie an, und sie, die
ungeachtet ihrer Keckheit doch äußerst schreckhaft war, fuhr zusam men, schmiegte sich zitternd
an Huldbrand und fragte ihn ganz leise: »Bist du auch böse, schö ner Freund?« Der Ritter drückte
ihr die zarte Hand und streichelte ihre Locken. Sagen konnte er nichts, weil ihm der Ärger über des
Alten Härte gegen Undinen die Lippen schloß, und so saßen beide Paare mit einem Male unwillig
und im verlegnen Schweigen einander gegenüber.
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