| |
Als ich nun endlich wieder still hielt, war es abendkühl um mich her. Durch die Zweige sah ich
einen weißen Fußpfad leuchten, von dem ich meinte, er müsse aus dem Forste nach der Stadt
zurückführen. Ich wollte mich dahin durcharbeiten; aber ein ganz w eißes, undeutliches Antlitz, mit
immer wechselnden Zügen, sah mir zwischen den Blättern entgegen; i ch wollte ihm ausweichen,
aber wo ich hinkam, war es auch. Ergrimmt gedacht ich endlich mein Roß darauf los zu treiben; da
sprudelte es mir und dem Pferde weißen Schaum entgegen, daß wir be ide geblendet umwenden
mußten. So trieb es uns von Schritt zu Schritt, immer von dem Fußs teige abwärts, und ließ uns
überhaupt nur nach einer einzigen Richtung hin den Weg noch frei. Zog en wir aber auf dieser fort,
so war es wohl dicht hinter uns, tat uns jedoch nicht das geringste zule ide. Wenn ich mich dann
bisweilen nach ihm umsah, merkte ich wohl, daß das weiße, sprudeln de Antlitz auf einem ebenso
weißen, höchst riesenmäßigen Körper saß. Manchmal dach t ich auch, als sei es ein wandelnder
Springbronn, aber ich konnte niemals recht darüber zur Gewißheit k ommen. Ermüdet gaben Roß
und Reiter dem treibenden weißen Manne nach, der uns immer mit dem Ko pfe zunickte, als wolle
er sagen: Schon recht! Schon recht! - Und so sind wir endlich an das Ende des Waldes hier
herausgekommen, wo ich Rasen und Seeflut und eure kleine Hütte sah un d wo der lange, weiße
Mann verschwand.«
»Gut, daß er fort ist«, sagte der alte Fischer, und nun begann er davon zu sprechen, wie sein
Gast auf die beste Weise wieder zu seinen Leuten nach der Stadt zurüc kgelangen könne. Darüber
fing Undine an, ganz leise in sich selbst hinein zu kichern. Huldbrand m erkte es und sagte: »Ich
dachte, du sähest mich gern hier; was freust du dich denn nun, da von meiner Abreise die Rede
ist?«
»Weil du nicht fort kannst«, entgegnete Undine. »Prob es doch m al, durch den übergetretnen
Waldstrom zu setzen, mit Kahn, mit Roß oder allein, wie du Lust hast. Oder prob es lieber nicht,
denn du würdest zerschellt werden von den blitzschnell getriebnen Stä mmen und Steinen. Und
was den See angeht, da weiß ich wohl: der Vater darf mit seinem Kahne nicht weit genug darauf
hinaus.«
Huldbrand erhob sich lächelnd, um zu sehn, ob es so sei, wie ihm Undi ne gesagt hatte, der Alte
begleitete ihn, und das Mädchen gaukelte scherzend neben den Männe rn her. Sie fanden es in
der Tat, wie Undine gesagt hatte, und der Ritter mußte sich drein erg eben, auf der zur Insel
gewordnen Landspitze zu bleiben, bis die Fluten sich verliefen. Als die dreie nach ihrer Wandrung
wieder der Hütte zugingen, sagte der Ritter der Kleinen ins Ohr: » Nun, wie ist es, Undinchen? Bist
du böse, daß ich bleibe?« - »Ach«, entgegnete sie mürr isch, »laßt nur. Wenn ich Euch nicht
gebissen hätte, wer weiß, was noch alles von der Bertalda in Eurer Geschichte vorgekommen
wär!«
|  |
|
| |
|
|