| |
»Den müßt Ihr nicht nennen«, sagte der alte Fischer und kreu zte sich; die Hausfrau tat
schweigend desgleichen; Undine sah ihren Liebling mit hellen Augen an, s prechend: »Das beste
bei der Geschichte ist, daß sie ihn doch nicht wirklich gebraten habe n. Weiter, du hübscher
Jüngling.«
Der Ritter fuhr in seiner Erzählung fort: »Ich wäre mit meinem scheuen Pferde fast gegen
Baumstämme und Äste angerannt; es triefte von Angst und Erhitzung und wollte sich doch noch
immer nicht halten lassen. Zuletzt ging es grade auf einen steinigen Abg rund los; da kam mirs
plötzlich vor, als werfe sich ein langer weißer Mann dem tollen He ngste quer vor in seinen Weg,
der entsetzte sich davor und stand; ich kriegte ihn wieder in meine Gewa lt und sah nun erst, daß
mein Rettet kein weißer Mann war, sondern ein silberheller Bach, der sich neben mir von einem
Hügel herunterstürzte, meines Rosses Lauf ungestüm kreuzend und hemmend.«
»Danke, lieber Bach!« rief Undine, in die Händchen klopfend. De r alte Mann aber sah
kopfschüttelnd in tiefem Sinnen vor sich nieder.
»Ich hatte mich noch kaum im Sattel wieder zurechtgesetzt und die Zü gel wieder ordentlich
recht gefaßt«, fuhr Huldbrand fort, »so stand auch schon ein wu nderliches Männlein zu meiner
Seiten, winzig und häßlich über alle Maßen, ganz braungelb u nd mit einer Nase, die nicht viel
kleiner war als der ganze übrige Bursche selbst. Dabei grinzte er mit einer recht dummen
Höflichkeit aus dem breitgeschlitzten Maule hervor und machte viele t ausend Scharrfüße und
Bücklinge gegen mich. Weil mir nun das Possenspiel sehr mißhagte, dankte ich ihm ganz kurz,
warf meinen noch immer zitternden Gaul herum und gedachte, mir ein andre s Abenteuer, oder,
dafern ich keines fände, den Heimweg zu suchen, denn die Sonne war wä hrend meiner tollen
Jagd schon über die Mittagshöhe gen Westen gegangen. Da sprang abe r der kleine Kerl mit einer
blitzschnellen Wendung herum und stand abermals vor meinem Hengste. - Platz da! sagt ich
verdrießlich, das Tier ist wild und rennet dich leichtlich um. - Ei schnarrte das Kerlchen und
lachte noch viel entsetzlich dummer, schenkt mir doch erst ein Trink geld, denn ich hab ja Euer
Rösselein aufgefangen; lägt Ihr doch ohne mich samt Euerm Rösse lein in der Steinkluft da unten,
hu! - Schneide nur keine Gesichter weiter, sagte ich, un d nimm dein Geld hin, wenn du auch
lügst; denn siehe, der gute Bach dorten hat mich gerettet, nicht aber du, höchst ärmlicher Wicht. -
Und zugleich ließ ich ein Goldstück in seine wunderliche Mütze fallen, die er bettelnd vor mir
abgezogen hatte. Dann trabte ich weiter; er aber schrie hinter mir drein und war plötzlich mit
unbegreiflicher Schnelligkeit neben mir. Ich sprengte mein Roß im Gal opp an; er galoppierte mit,
so sauer es ihm zu werden schien und so wunderliche, halb lächerliche , halb gräßliche
Verrenkungen er dabei mit seinem Leibe vornahm, wobei er immerfort das G oldstück in die Höhe
hielt und bei jedem Galoppsprunge schrie: Falsch Geld! Falsche Mü nz! Falsche Münz! Falsch
Geld! Und das krächzte er aus so hohler Brust heraus, daß man meinte, er müsse nach jeglichem
Schreie tot zu Boden stürzen. Auch hing ihm die häßlich rote Zu nge weit aus dem Schlunde. Ich
hielt verstört; ich fragte: Was willst du mit deinem Geschrei? Ni mm noch ein Goldstück, nimm
noch zwei, aber dann laß ab von mir. Da fing er wieder mit seinem häßlich höflichen Grüßen an
und schnarrte: Gold eben nicht, Gold soll es eben nicht sein, mein j ung Herrlein; des Spaßes hab
ich selbsten allzuviel; wills Euch mal zeigen.
Da ward es mir auf einmal, als könn ich durch den grünen festen Bo den durchsehn, als sei er
grünes Glas und die ebne Erde kugelrund und drinnen hielten eine Meng e Kobolde ihr Spiel mit
Silber und Gold. Kopfauf, kopfunter kugelten sie sich herum und schmisse n einander zum Spaß
mit den edlen Metallen und pusteten sich den Goldstaub neckend ins Gesic ht. Mein häßlicher
Gefährte stand halb drinnen, halb draußen; er ließ sich sehr, s ehr viel Gold von den andern
heraufreichen und zeigte es mir lachend und schmiß es dann immer wied er klingend in die
unermeßlichen Klüfte hinab. Dann zeigte er wieder mein Goldstüc k, was ich ihm geschenkt hatte,
den Kobolden drunten, und die wollten sich drüber halb totlachen und zischten mich aus. Endlich
reckten sie alle die spitzigen metallschmutzigen Finger gegen mich aus, und wilder und wilder, und
dichter und dichter, und toller und toller klomm das Gewimmel gegen mich herauf; - da erfaßte
mich ein Entsetzen wie vorhin meinen Gaul. Ich gab ihm beide Sporen und weiß nicht, wie weit ich
zum zweiten Male toll in den Wald hineingejagt bin.
|  |
|
| |
|
|